Selbstwert entwickeln im Gespräch mit Kunden und Kundinnen ist entscheidend für dein professionelles Auftreten und für deine innere Sicherheit, wenn du Aufträge besprichst oder verhandelst. Viele Selbständige kennen diese Momente: Ein Gespräch mit einer Kundin oder einem Kunden läuft scheinbar ruhig – und doch entsteht innerlich Enge. Man sagt Ja, obwohl innerlich etwas deutlich Nein ruft. Man relativiert den eigenen Preis, erklärt zu viel oder zieht sich innerlich zurück. Wichtige Informationen werden nicht besprochen. Nach dem Gespräch bleibt ein diffuses Gefühl. Was hier wankt, ist nicht die fachliche Kompetenz, es ist der Selbstwert im Gespräch.
Warum Selbstwert in Kundengesprächen so schnell ins Wanken gerät
Gespräche mit Kund:innen sind mehrschichtig. Sie berühren nicht nur Inhalte, sondern auch Beziehung, Anerkennung und oft die eigene Existenzsicherung. Gerade für Einzelunternehmerinnen ist diese Mischung anspruchsvoll. Hier trifft die fachliche Rolle auf persönliche Investition.
Hinzu kommt: Wenn eine Situation persönlich herausfordernd wird, übernimmt nicht automatisch der reflektierte Teil unseres Denkens die Führung. Unter Druck reagieren Menschen häufig aus alten Mustern heraus.
🔹 Der Körper spannt sich an,
🔹 der Atem wird flacher,
🔹 der Blick enger und
🔹 das Zuhören wird – und das ist physiologisch – schwieriger.
Gedanken, die Unsicherheit und Zweifel nähren, übertönen das tatsächliche Gespräch. Gleichzeitig reagieren wir schneller und weniger in Übereinstimmung mit uns selbst..
Wir möchten „kooperativ“ sein, „nicht schwierig tun“, „die Beziehung nicht gefährden“. In solchen Momenten reagieren wir häufig mit Anpassung. Der Preis dafür ist hoch: Wir verspielen die eigene innere Klarheit.
Selbstwert entwickeln im Gespräch mit Kunden heißt: Sich selbst regulieren können
Selbstwert ist keine Haltung, die man sich vornimmt. Er ist eine Fähigkeit, die sich im Kontakt zeigt.
Selbstwert entwickeln im Gespräch mit Kunden und Kundinnen bedeutet, auch dann innerlich bei sich und klar zu bleiben, wenn Unsicherheit, Druck oder Erwartungen auftauchen.
Häufig übernehmen dann alte Gesprächsmuster die Regie. Anpassung, Beschleunigung, Durchsetzungsversuche oder Rückzug sind typische Reaktionen in Situationen, in denen
🔹 Verlangsamung,
🔹 das Benennen der Schwierigkeit oder
🔹 eine Pause
förderlich wären.
In diesen Momenten zeigt sich deutlich, wie stabil der eigene Selbstwert ist: Ist es möglich, ruhig zu bleiben und dem Druck nicht nachzugeben? Oder wird der innere Zustand so stark vom Außen beeinflusst, dass Ruhe und Klarheit verloren gehen?
Der entscheidende Unterschied liegt hier:
🔹 Reagieren heißt: Das Außen bestimmt den inneren Zustand.
🔹 Selbstwert heißt: Der innere Zustand bestimmt die Art des Kontakts.
Erst aus dieser inneren Stabilität heraus wird echte Klarheit möglich, in Sprache, Haltung und Entscheidung.
Was im Inneren passiert, wenn wir Ja sagen und Nein meinen
Unklare Kommunikation entsteht aus innerer Aktivierung.
Wenn Menschen unter Druck geraten, zeigen sich häufig innere Zustände wie Angst, Ärger oder Ohnmacht, begleitet von einem mulmigen oder angespannten Körpergefühl. Gedanken werden unübersichtlich, Gefühle schwer einzuordnen. Das sind Hinweise des Nervensystems, dass etwas als unsicher erlebt wird.
Diese Gefühle sind klare Signale, die anzeigen, dass Bedürfnisse nicht erfüllt sind:
🔹 Angst verweist häufig auf fehlende Sicherheit oder auf Anerkennung für eine Leistung,
🔹 Ärger auf verletzte Autonomie oder mangelnde Wertschätzung für eine Handlung,
🔹 Ohnmacht auf eingeschränkte Selbstwirksamkeit.
Wer beginnt, diese inneren Signale ernst zu nehmen, schafft die Grundlage dafür, Selbstwert im Gespräch mit Kund:innen bewusst zu entwickeln und zu festigen.
Drei innere Voraussetzungen, um Selbstwert in Kundengesprächen zu entwickeln
1. Kontakt mit sich selbst
Selbstwert beginnt mit Selbstkontakt, mit der Wahrnehmung angenehmer wie unangenehmer Körperempfindungen:
🔹 ruhiger oder flacher Atem
🔹 Bodenkontakt
🔹 innere Sammlung oder Aufregung
🔹 reduzierte Sinneswahrnehmung oder Orientierungslosigkeit.
Diese Wahrnehmung zu schulen bedeutet, sich selbst besser kennenzulernen: zu erkennen, wann welche Muster auftauchen und die Führung übernehmen. Überholte Handlungs- und Gesprächsmuster schrittweise durch Ruhe und Klarheit zu ersetzen, gibt Orientierung und innere Sicherheit. Angst, Ohnmacht und Wut verlieren an Macht und Handlungsfähigkeit wird möglich.
🧠 Übung: Hüftbreit stehen
Stelle dich hüftbreit hin, also die Füße unter Hüftgelenken und Knien.
Spüre den Bodenkontakt für drei Atemzüge – tief, ruhig, angenehm für dich.
Beobachte, was sich in Haltung, Stimme und innerem Tempo verändert.
2. Klarheit über die eigene Bedürfnisse
Im Gespräch mit Kund:innen gehört nicht jedes Bedürfnis ins Gespräch, aber jedes Bedürfnis gehört ins Bewusstsein.
Wer die eigenen Bedürfnisse kennt, kann
🔹 verhandeln,
🔹 Grenzen setzen oder
🔹 Gesprächsräume öffnen,
ohne die eigene Verhandlungsspur zu verlieren.
Selbstwert im Gespräch zeigt sich in der Fähigkeit, die eigene innere Wahrheit zu kennen, bevor man sie ausspricht oder sich bewusst entscheidet, sie nicht auszusprechen.
💬 Übung: Vor der Auftragsklärung Gefühle und Bedürfnisse klären
Halte vor der Auftragsklärung inne und kläre die eigenen Gefühle und Bedürfnisse. Schreibe sie handschriftlich auf.
Das stärkt die Verbindung zu dir selbst – über Körper und Bewusstsein.
3. Gleichwertigkeit statt Anpassung
Gleichwertigkeit bedeutet nicht Gleichheit der Rollen. Ein Kundengespräch beinhaltet unterschiedliche Rollenaspekte, die klar unterschieden werden müssen.
🔹 Du bist Auftragsempfängerin. Die auftraggebende Person hat Ziele, die sie selbst nicht umsetzen kann, und übergibt dir diese Aufgabe. Diese Ziele gilt es zu achten.
🔹 Du verfügst über die fehlende Kompetenz. Werden Ziele formuliert, die nicht deiner Kompetenz entsprechen oder zeitlich unrealistisch sind, sind von dir klare Grenzen erforderlich.
Durch den Respekt vor den jeweiligen Rollen und das Bewusstsein, dass es nur gemeinsam gelingt, wird ruhiges und sicheres Verhandeln möglich.
🕸️ Übung: Gleichwertigkeit trainieren
Beobachte im Alltag, wann du dich gleichwertig fühlst und wann dein Selbstwert ins Wanken gerät. Wann stellst du dich über andere? Wann machst du dich kleiner?
Selbstwert zeigt sich in klaren Rahmenbedingungen
Selbstwert bleibt nicht innerlich. Er wird sichtbar:
🔹 in klaren Preisen,
🔹 in transparenten Zahlungsmodalitäten,
🔹 in eindeutigen Angeboten,
🔹 in begründeten Absagen,
🔹 in der Entscheidung, Aufträge weiterzuempfehlen, wenn etwas nicht passt.
Diese Klarheit ist Ausdruck von Integrität. Sie schützt dein Unternehmen ebenso wie die Qualität deines Angebots.
Fazit: Selbstwert entwickeln ist ein Prozess – kein Zustand
Selbstwert entsteht nicht durch einen einzelnen Erkenntnismoment. Er wächst durch Erfahrung.
Eingeschliffene Gesprächs- und Handlungsmuster verschwinden nicht. Doch sie verlieren an Macht, wenn neue Erfahrungen hinzukommen: Erfahrungen von innerer Klarheit, von stimmigen Entscheidungen, von Gesprächen, die bewusst und wertschätzend geführt werden.
Selbstwert im Gespräch mit Kund:innen entwickeln heißt, diesen Prozess bewusst zu gehen – Schritt für Schritt, Gespräch für Gespräch.
Vertiefung: Deinen Selbstwert und deine Gesprächskompetenz stärken – Links
🔹 Hier geht es zu einem ausführlichen Blogartikel, der beleuchtet, wie Selbstwert, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Selbstsicherheit und Selbstwirksamkeit zusammenhängen und einander bedingen: https://soulspeeches.com/soulspeeches-com-selbstsicherheit-beginnt-innen/
🔹 5 wirkungsvolle Tipps für Selbstwert im Gespräch
🔹Das Workbook “Dein innerer Kompass” führt dich durch die verschiedenen Kräfte, die deinen Selbstwert beeinflussen und deinen Selbstwert stärken.
🔹 auf der Seite Selbst.Bewusst.Sprechen stelle ich dir meine Präsenzseminare vor, die so aufgebaut sind, dass du automatisch deinen Selbstwert stärken und deine Selbstsicherheit entwickeln kannst.
🔹 Wenn du verstehen willst, weshalb dein Selbstwert immer wieder brüchig wird, kann eine systemische Aufstellung wirkungsvoll sein: https://soulspeeches.com/systemische-aufstellung/
Antworten zu häufigen Fragen: Selbstwert entwickeln im Gespräch mit Kunden
Was bedeutet Selbstwert im Gespräch mit Kunden?
Selbstwert im Gespräch mit Kunden bedeutet, innerlich stabil zu bleiben, auch wenn Druck, Erwartungen oder Unsicherheit auftreten. Er zeigt sich darin, dass du deine Klarheit, Grenzen und Bedürfnisse wahrnimmst und berücksichtigst, während du im Kontakt mit Kund:innen bist. Selbstwert ist nicht vom Verhalten des Gegenübers abhängig, sondern von deiner inneren Verankerung.
Woran erkenne ich, dass mein Selbstwert im Kundengespräch instabil ist?
Typische Anzeichen dafür, dass der Selbstwert im Kundengespräch wackelt, sind:
🔹 innere Enge oder Nervosität,
🔹 beschleunigtes Sprechen oder Rechtfertigungen,
🔹 Nachgeben trotz innerem Widerstand,
🔹 ein diffuses Unbehagen nach dem Gespräch.
Diese Reaktionen weisen auf innere Aktivierung hin, nicht auf mangelnde Kompetenz.
Ist Selbstwert im Gespräch dasselbe wie Selbstsicherheit?
Nein. Selbstwert beschreibt die innere Stabilität und das Gefühl von Gleichwertigkeit im Kontakt mit anderen. Selbstsicherheit bezieht sich auf das äußere Auftreten. Eine Person kann selbstsicher wirken und dennoch innerlich unsicher sein. Selbstwert ist tiefer verankert und weniger abhängig von Reaktionen im Außen.
Kann man Selbstwert im Gespräch mit Kunden lernen?
Ja. Selbstwert ist keine feste Eigenschaft, sondern eine entwickelbare Fähigkeit. Er entsteht durch bewusste Wahrnehmung, neue Erfahrungen und Übung. Alte Gesprächsmuster verschwinden nicht sofort, verlieren aber an Einfluss, wenn innere Klarheit und Selbstregulation zunehmen.
Warum sage ich Ja, obwohl ich Nein meine?
Wenn Menschen unter Druck geraten, übernehmen häufig alte Handlungsmuster die Führung. Angst vor Ablehnung, Konflikten oder Auftragsverlust kann dazu führen, dass Anpassung schneller verfügbar ist als Klarheit. Das Ja dient dann als Schutzmechanismus. Mit zunehmendem Selbstwert wird es möglich, innezuhalten und die eigene Wahrheit wahrzunehmen, bevor man spricht – und auch ein Nein zu wagen.
Muss ich meine Gefühle im Kundengespräch offen ansprechen?
Nein. Nicht jedes Gefühl gehört ins Gespräch. Entscheidend ist, dass du deine Gefühle erkennst, nicht dass du sie aussprichst. Gefühle weisen auf Bedürfnisse hin und helfen bei der inneren Klärung. Im beruflichen Kontext reicht es meist, Irritation oder Klärungsbedarf sachlich zu benennen.
Wie hängen Selbstwert und Grenzen setzen zusammen?
Grenzen setzen ist eine Folge von Selbstwert, nicht dessen Ursache. Wer innerlich klar ist, setzt Grenzen ruhig und selbstverständlich. Fehlt diese innere Orientierung, werden Grenzen entweder gar nicht oder überkompensierend gesetzt. Selbstwert ermöglicht eine klare Abgrenzung, die keine Rechtfertigung braucht.
Welche Rolle spielt der Körper beim Selbstwert im Gespräch?
Der Körper spielt eine zentrale Rolle, da Selbstwert ein verkörperter Zustand ist. Atem, Haltung und Stand beeinflussen direkt das Erleben von Sicherheit und Präsenz. Kleine körperliche Veränderungen – etwa hüftbreit zu stehen – können die innere Stabilität deutlich erhöhen und damit auch die Gesprächsqualität.
Was hat Selbstwert mit Preisen und Rahmenbedingungen zu tun?
Selbstwert wird sichtbar in klaren Rahmenbedingungen: in Preisen, Zahlungsmodalitäten, Angebotsgrenzen und der Bereitschaft, Aufträge abzulehnen oder weiterzuempfehlen. Unklare Rahmen sind häufig Ausdruck innerer Unsicherheit. Klare Strukturen schützen sowohl die Beziehung zu Kund:innen als auch die Qualität des Angebots.
Bleibt Selbstwert stabil oder muss er immer wieder entwickelt werden?
Selbstwert ist kein dauerhafter Zustand, sondern ein Prozess. Je nach Situation oder Thema kann er stärker oder schwächer spürbar sein. Entscheidend ist nicht, ihn „zu haben“, sondern ihn immer wieder bewusst zu entwickeln – durch Wahrnehmung, Reflexion und Entscheidungen im Alltag, die mit der eigenen, inneren Wahrheit übereinstimmen.
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