Selbstwert entwickeln im Gespräch als Auftraggeberin ist wichtig, um den Auftrag gut zu leiten, unabhängig davon, wer die Ausführung übernimmt. Denn viele Auftraggebende erleben ähnliche Situationen: Ein Projekt läuft nicht so, wie es vereinbart wurde. Irritationen tauchen auf, Unstimmigkeiten verdichten sich. Gleichzeitig wird weiter zugewartet, gehofft, relativiert. Man möchte fair bleiben, niemanden vor den Kopf stoßen, nicht vorschnell handeln. Was dabei oft übersehen wird: Einen Auftrag vergeben heißt nicht, Verantwortung abzugeben. Einen Auftrag vergeben heißt, Verantwortung in neuer Form zu übernehmen. Und genau hier beginnt das Thema Selbstwert.
Dieser Artikel richtet sich an Menschen, die Aufträge persönlich vergeben: an Solopreneurinnen ebenso wie an private Auftraggebende. Dort, wo keine Hierarchie, kein Apparat und keine institutionelle Absicherung dazwischengeschaltet sind, wirkt Verantwortung unmittelbar, sowohl innerlich wie äußerlich. Ich beleuchte, warum Verantwortung innen beginnt und Nettigkeit oft ein Umweg und nicht zielführend ist.
Der Mythos der sachlichen Auftragsvergabe
Aufträge gelten gemeinhin als sachlich, rational und professionell. Verträge, Leistungen, Zeitpläne – alles scheint klar geregelt. Innere Regungen wie Zweifel, Unsicherheit oder Zögern gelten als störend und werden möglichst ausgeblendet.
Dieser Mythos hält sich hartnäckig: Im Auftragskontext habe Inneres wie wichtige Werte oder eigene Unsicherheiten nichts verloren. Entscheidungen seien nüchtern zu treffen, Emotionen irrelevant.
Die Realität ist eine andere. Gerade dort, wo Macht, Geld, Abhängigkeit und Konsequenzen im Spiel sind, wirken innere Dynamiken besonders stark. Sie verschwinden nicht, weil sie nicht benannt werden. Im Gegenteil, wenn sie nicht thematisiert werden, wirken unbewusst weiter.
Die blinden Flecken von Auftraggebenden
Viele Schwierigkeiten in Projekten entstehen nicht erst durch fehlerhafte Ausführung, sondern durch blinde Flecken auf der Seite der Auftraggebenden.
Typische Muster sind:
🔹 Erwartungen sind innerlich klar, werden aber nicht explizit formuliert.
🔹 Irritationen werden wahrgenommen, aber nicht angesprochen.
🔹 Warnsignale werden rationalisiert: „Das wird sich schon noch klären“.
🔹 Verantwortung wird formal delegiert und innerlich nicht geführt.
Meist sind diese Beschwichtigungen unbewusste innere Dynamiken, die im Auftragskontext selten beleuchtet werden.
Blinde Flecken im Auftragskontext
Diese inneren Anteile sind nicht irrational. Sie sind unbewusst und sie wirken, gerade im Auftragskontext.
Es sind zum Beispiel innere Anteile, die
🔹 Konflikte vermeiden wollen
🔹 Angst vor Konsequenzen haben
🔹 sich Verantwortung nicht zutrauen
🔹 lieber hoffen als handeln
🔹 niemanden „fallen lassen“ möchten und loyal sein wollen
Diese Anteile sind Ausdruck von Prägung, Erfahrung und früher erlernten Handlungs- und Gesprächsstrategien. Problematisch wird es erst, wenn sie unbewusst bleiben und Entscheidungen steuern, ohne dass diese bewusst reflektiert werden.
Warum Nettigkeit oft kein Ausdruck von Selbstwert ist
Nett zu bleiben gilt als sozial erwünscht. Vertrauen zu haben als Tugend. Geduld als Zeichen von Reife. Doch im Auftragskontext sind diese Handlungsmuster meist schädlich.
Nettigkeit ersetzt dann Klarheit. Abwarten ersetzt Entscheidung. Hoffnung ersetzt Verantwortung.
In vielen Fällen ist Nettigkeit keine bewusste Haltung, sondern eine unbewusste Strategie, um Angst vor Konsequenzen nicht fühlen zu müssen. Die Angst, jemanden zu verlieren. Die Befürchtung, neu anfangen zu müssen. Die Angst, nicht zu wissen, wie es weitergeht.
So wird weiter beschwichtig und scheinbar vertraut, obwohl innere Warnsignale und Skepsis längst da sind. Die Skepsis wird beschwichtig und adäquate Handlungen vermieden.
Ganz häufig wird Nettigkeit gewählt, weil ein wertschätzender, klarer Ausdruck nie gelernt wurde und deshalb diese diffuse Angst vor einer nachteiligen Reaktion besteht. Das Gegenteil ist der Fall – in 99% der Fälle
Selbstwert als Auftraggebende heißt: Sich selbst innerlich führen
Selbstwert und Sicherheit zeigt sich auf der Seite von Auftraggebenden nicht darin, wie lange man aushält oder wie tolerant man ist. Er zeigt sich darin, ob innere Signale wahrgenommen und ernst genommen werden.
Sich innerlich zu führen ist für Auftraggebende zentral.
Selbstwert als Auftraggebende bedeutet:
🔹 Irritationen nicht zu übergehen
🔹 Unstimmigkeiten zu benennen
🔹 Verantwortung nicht nur formal, sondern innerlich zu halten
🔹 bereit zu sein, Konsequenzen zu tragen
Das Stoppen eines Projekts ist ein Akt von innerer Führung und Übernahme von Verantwortung und kein Mangel an Toleranz oder Freundlichkeit.
Warum Verträge kein Misstrauen zeigen, sondern Klarheit
Der Wunsch nach Handschlag und Vertrauen ist verständlich. Früher reichten solche Abmachungen oft aus, in kleineren, überschaubaren Systemen mit klaren sozialen Konsequenzen.
Heute sind Projekte komplexer, Abhängigkeiten größer, Beteiligte zahlreicher. Ein Vertrag oder zumindest eine gegenseitig bestätigte, schriftliche Vereinbarung ist deshalb kein Ausdruck von Misstrauen, sondern von Verantwortung.
Ein Vertrag schützt nicht vor Menschen. Er schützt vor Unklarheit und Missverständnissen. Und er entlastet beide Seiten.
Dort, wo nichts oder ungenügend geklärt ist, entsteht Raum für Annahmen, Hoffnungen und Selbsttäuschung.
Die verdeckten Kosten des Nicht-Handelns
Was häufig unterschätzt wird, sind die Kosten des Zuwartens:
🔹 Projekte verzögern sich
🔹 zusätzliche Kosten entstehen
🔹 der innere Stress wächst
🔹 Warnungen aus dem Umfeld werden ignoriert
🔹 Entscheidungen werden immer schwerer
Diese Kosten entstehen nicht durch einen Stopp. Sie entstehen durch das zu lange Ausweichen davor.
Entscheidungen zu lange hinauszuzögern, kommt häufig teuer zu stehen.
Fazit: Selbstwert entwickeln im Gespräch als Auftraggeberin braucht innere Führung
Unbewusste Anteile verschwinden nicht, aber sie können bewusst werden. Und genau darin liegt der Handlungsspielraum.
Selbstwert als Auftraggebende entwickelt sich dort, wo Verantwortung nicht nur vertraglich geregelt, sondern innerlich bewusst gemacht und übernommen wird. Schritt für Schritt. Entscheidung für Entscheidung.
Wertschätzende Klarheit und das Bewusstsein für die eigene Verantwortung in einem Projekt, ist die Voraussetzung dafür, dass die Zusammenarbeit überhaupt gelingen kann.
Vertiefung: Deinen Selbstwert und deine Gesprächskompetenz stärken – Links
🔹 Hier geht es zu einem ausführlichen Blogartikel, wie du Selbstsicherheit und Selbstwert stärken kannst: https://soulspeeches.com/soulspeeches-com-selbstsicherheit-beginnt-innen/
🔹 3 Tipps, um deinen Selbstwert innerlich zu stärken: Selbstwert stärken – 3 Tipps
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🔹 5 wirkungsvolle Tipps für Selbstwert im Gespräch
🔹 auf der Seite Selbst.Bewusst.Sprechen stelle ich dir meine Präsenzseminare vor, die so aufgebaut sind, dass du automatisch deinen Selbstwert stärken und deine Selbstsicherheit entwickeln kannst.
Die folgenden Antworten fassen nochmals zusammen, was für dich als Auftraggeber:in wichtig ist.
Was bedeutet Selbstwert als Auftraggebende konkret?
Selbstwert als Auftraggebende bedeutet, Verantwortung nicht nur formal zu delegieren, sondern innerlich ein Bewusstsein dafür zu entwickeln und entsprechend zu handeln. Er zeigt sich darin, ob du Irritationen wahrnimmst, Unstimmigkeiten benennst und bereit bist, Konsequenzen zu tragen. Selbstwert heißt hier: führen, statt hoffen.
Warum fällt es vielen Auftraggebenden schwer, ein Projekt zu stoppen?
Ein Projekt zu stoppen bedeutet, Unsicherheit und mögliche Konsequenzen auszuhalten. Viele Auftraggebende vermeiden diesen Schritt aus unbewusster Angst vor Konflikt, Neuorientierung oder Verantwortung. Nicht fehlende Kompetenz ist das Problem, sondern das Vermeiden innerer Führung.
Ist Nettigkeit im Auftragskontext wirklich problematisch?
Nettigkeit ist nicht grundsätzlich problematisch, wenn sie im Sinne von Freundlichkeit gezeigt wird. Sie wird jedoch dann hinderlich, wenn sie Klarheit ersetzt. Wenn Nettigkeit dazu dient, Konflikte zu vermeiden oder Warnsignale zu übergehen, entsteht langfristig mehr Schaden als Nutzen. Selbstwert zeigt sich in wertschätzender Klarheit, nicht in Beschwichtigung.
Wie erkenne ich meine blinden Flecken als Auftraggeber:in?
Blinde Flecken zeigen sich häufig daran, dass du innere Irritationen relativierst oder verschiebst.
Typische Hinweise sind:
🔹 wiederholtes Zuwarten trotz Unstimmigkeit
🔹 Hoffnung, dass sich Probleme „von selbst“ lösen
🔹 Schwierigkeit, Wünsche und Erwartungen klar auszusprechen
🔹 das Gefühl, innerlich nicht ganz hinter einer Entscheidung zu stehen
Diese Signale deuten auf unbewusste Dynamiken hin, die reflektiert werden wollen.
Warum sind Verträge kein Ausdruck von Misstrauen?
Ein Vertrag ist kein Zeichen von Misstrauen, sondern von Verantwortung. Er schafft Klarheit über Erwartungen, Leistungen und Grenzen. In komplexen Projekten schützt eine schriftliche Vereinbarung beide Seiten vor Missverständnissen und späteren Konflikten.
Was hat Prägung mit meiner Rolle als Auftraggebende zu tun?
Früh erlernte Verhaltensmuster – zum Beispiel Konfliktvermeidung, Loyalität oder Angst vor Ablehnung – wirken auch im beruflichen Kontext. Diese Anteile unbewusst und auch wenn sie nicht reflektiert werden, beeinflussen sie dennoch die Entscheidungen im Auftragsprozess.
Wie kann ich meine innere Führung als Auftraggeber:in stärken?
Innere Führung beginnt mit bewusster Wahrnehmung.
Frage dich:
🔹 Wo spüre ich Irritation oder Skepsis?
🔹 Welche Konsequenzen vermeide ich?
🔹 Welche Verantwortung gehört tatsächlich zu mir?
Selbstwert entwickelt sich durch bewusste, mutige Entscheidungen, nicht durch Abwarten.
Was kostet es, nicht rechtzeitig zu handeln?
Zu langes Zuwarten führt häufig zu
🔹 Projektverzögerungen
🔹 steigenden Kosten
🔹 wachsendem innerem Druck
🔹 Vertrauensverlust
🔹 schwerer korrigierbaren Entscheidungen
Die eigentlichen Kosten entstehen selten durch den Stopp, sondern durch das zu späte Stoppen.
Gilt dieses Thema auch für private Auftraggebende?
Ja. Ob du eine Website beauftragst, eine Renovation leitest oder eine Beratung einkaufst – überall dort, wo du Verantwortung überträgst, bleibst du innerlich beteiligt. Selbstwert als Auftraggebende wirkt im privaten wie im beruflichen Kontext.
Ist die Entwicklung von Selbstwert als Auftraggebende ein einmaliger Schritt?
Nein. Selbstwert ist grundsätzlich – und auch in dieser Rolle – ein Prozess. Unbewusste Anteile verschwinden nicht, aber sie können bewusst gemacht werden. Mit jeder klaren Entscheidung wächst die Fähigkeit, Verantwortung ruhig und konsequent zu übernehmen.
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