Vermehrt kann ich als Kommunikationsexpertin in einschlägigen Magazinen lesen, dass Zuhören für Führungskräfte ganz wichtig sei, um Ressourcen zu nutzen und motivierte, loyale Mitarbeitende zu haben. Die Erkenntnis, dass Kommunikation auch aus Zuhören besteht, klettert nun ebenfalls die Karriereleiter hinauf. Doch kann ich in meinen Coachings und Seminaren immer wieder feststellen, dass die verschiedenen Varianten der Kunst des Zuhörens häufig unbekannt sind.

1. «Da haben Sie recht, aber…» Zuhören

Hier handelt es sich gar nicht um Zuhören, sondern um den Auftakt zum eigenen Sprechen. Da es als unhöflich gilt, jemandem ins Wort zu fallen, werden Sätze gesagt wie «Richtig, das finde ich auch, aber….» und schon gibt das Gegenüber die eigene Meinung von sich, ohne die andere Person wirklich zu hören. Man redet mehr oder weniger locker aneinander vorbei und jeder weiss das. Körpersprachlich kannst du schon vorher beobachten, dass der Gesprächspartner sich vorbeugt, er kurz nickt oder sich aufrichtet und Luft holt, alles Anzeichen, dass er jetzt etwas von sich geben will. Echtes Zuhören findet hier nicht statt.

2. Aufnehmendes Zuhören

Bei dieser Art des Zuhörens wird der Zuhörer oder die Zuhörerin still und gibt dem Gegenüber Raum zum Sprechen. Diese Art des Zuhörens stellt die eigene Meinung für einen Moment in den Hintergrund und versucht, das Gesagte tatsächlich aufzunehmen. Die Körpersprache des Zuhörenden zeigt weder Ungeduld noch Desinteresse und Augenkontakt und Kopfnicken signalisieren Verstehen.

3. Umschreibendes Zuhören

Die zuhörende Person gibt das Gehörte in eigenen Worten wieder. Das zeigt dem Sprecher oder der Sprecherin, dass die zuhörende Person das Gesagte wirklich versteht und nicht nur nachsagt.

4. Kreatives Zuhören

Kreatives Zuhören geht noch einen Schritt weiter: Die Person, die zuhört, lässt sich noch mehr auf ihr Gegenüber ein. Sie erlaubt sich eigene kreative und das Thema weiterführende Gedanken, die durch das Gesagte entstehen. Eben ein kreativer Prozess. Dieser erlaubt, dass ein Dialog zwischen dem Zuhörenden und dem Sprechenden entsteht. So kann das möglicherweise schwierige Thema weitergeführt werden und häufig eröffnen sich so neue Lösungsmöglichkeiten. Diese Art des Zuhörens verlangt Verlangsamung im Gespräch, Präsenz und gegenseitigen Respekt der Gesprächspartner und eine Offenheit für unerwartete Lösungen.

Hat eine Führungskraft überhaupt Zeit für Verlangsamung?

Diese Frage ist häufig die erste, die gestellt wird. Verlangsamung bedeutet, dass dem Problem und den Personen, die mit dem Problem beschäftigt sind, genügend Raum gegeben wird, um die Problematik zu überblicken und sich auszudrücken. Bereits dadurch, dass dieser Raum entsteht, weicht ein Teil des Drucks und die Beteiligten sind wieder in der Lage, offener zu denken und kreativere Lösungsmöglichkeiten in Erwägung zu ziehen. Häufig, jedoch nicht immer, entstehen in solchen Momenten einfach umsetzbare Lösungswege, mit denen sich alle Beteiligten einverstanden erklären können.

Alle Varianten des Zuhörens ausser der ersten verlangen Respekt, Präsenz und ein gewisses Interesse am Gegenüber. Alle drei Varianten sind erfolgversprechend, weil sie Raum geben für Verständnis und Verstehen, die Türöffner zu Kooperation und Motivation.

Du findest unter Coaching und Mediation Beratungsmöglichkeiten für dich. Oder wenn du dich mit dem Thema tiefer auseinandersetzen möchtest, gibt es Seminare, in denen du deine Kommunikationsskills trainieren kannst